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Keramikmuseum Westerwald
Deutsche Sammlung für Historische und Zeitgenössische Keramik
Lindenstraße 13
D - 56203 Höhr-Grenzhausen
Tel.: 0049 - (0) 2624 94 60 10
Fax: 0049 - (0) 2624 94 60 120

MUSEUMSLEITUNG: MONIKA GASS

13 Lindenstraße
Höhr-Grenzhausen, RP, 56203
Germany

0049 - (0) 2624 94 60 10

Ausstellungen

Aktuell

Farbenfrohe Lebenslust. Die Industriekeramik der Nachkriegszeit

Das Kannenbäckerland ist weltweit für seine salzglasierte, grau-blaue Keramik bekannt. Doch die Region bietet bereits seit rund 150 Jahren keramisch weit mehr als nur traditionelles Steinzeug. Diese Ausstellung lenkt den Blick auf eine Epoche, die im Westerwald mehr Beachtung verdient: die seriell produzierte Keramik der Nachkriegszeit.

Der wirtschaftliche Aufschwung ab 1948 markierte einen tiefgreifenden Wandel. Einerseits entstand eine blühende Konsumgesellschaft, geprägt durch Optimismus, Wohlstandsstreben und dem Wunsch nach stabilen Verhältnissen. Die farbenfrohe Keramik mit ihrem stolzen „Made in West Germany“ verkörperte diese neue Lebenslust. Andererseits basierte dieser Boom nicht selten auf prekären Arbeitsbedingungen und umweltschädlichen Herstellungsprozessen. Die Ausstellung zeigt daher nicht nur die prägnante Ästhetik. Sie setzt sich auch mit den Ambivalenzen dieser erneuten Blütezeit der Westerwälder Keramikgeschichte auseinander.

Das Wirtschaftswunder der Keramikindustrie war aber kein rein deutsches, sondern ein westeuropäisches Phänomen. Dr. Denis Bousch und Dr. Jörn Garleff haben in einem Projekt die keramische Entwicklung in Frankreich und Deutschland nach 1950 vergleichend untersucht. Ihre Ergebnisse wurden bereits in den Musées d’Art et d’Industrie in Saint-Étienne präsentiert. Das Keramikmuseum widmet sich nun besonders dem Westerwald und den Menschen, die diese Ära geprägt haben.

Die Ausstellung und der umfangreiche, zweisprachige Begleitband rücken diese außergewöhnliche Epoche im Keramikmuseum zum ersten Mal in den Fokus.


Ding? Zeug? Werk? Ein Inventarisierungsprojekt

Das Keramikmuseum Westerwald ist in der glücklichen Lage, eine in Qualität und Umfang einmalige Sammlung mit mehr als 1300 Westerwälder Jugendstilkeramiken ankaufen zu können. Die Kollektion enthält nicht nur die großen Namen der Epoche, wie Behrens oder Van de Velde, sondern auch Werke von bedeutsamen lokalen Künstlern und vor allem von sämtlichen Firmen und Werkstätten der Region. Das macht sie gleichsam zu einer keramischen Zeitkapsel.  

Der Erwerb der Sammlung wird zum Anlass genommen, das Depot der historischen Keramik neu zu konzipieren. Die Inventarisierung der gesamten Kollektion wird öffentlich in der Dauerausstellung unter dem Namen „DING? ZEUG? WERK?“ erfolgen. Dabei können Besucher mitverfolgen, wie ein solcher musealer Ordnungsprozess abläuft und sich gleichzeitig über die Besonderheiten der Sammlung informieren. Daraus ergibt sich für das Museum eine einzigartige Möglichkeit, mit den Bürgern aus dem Kannenbäckerland ins Gespräch zu kommen. Sie werden im Zuge des Projekts dazu eingeladen, ihr Privatwissen über die heimischen Firmen, deren Mitarbeiter und die Objekte zu teilen.

 Mit dem Projekt „DING? ZEUG? WERK?“ erhoffen wir uns einen öffentlichen Diskurs über die Kontextualisierung der Objekte. Wie ordnen wir unsere Geschichte, und wie verhält sich das Einzelstück zum Kollektiv? Ebendiese Fragen nach Zugehörigkeit und Singularität spielten bereits bei der Suche nach Fördermitteln eine unerwartet große Rolle.

Für das Keramikmuseum Westerwald und auch das Land Rheinland-Pfalz ist diese Sammlung ein einzigartiges Erbe unserer Industriekultur der Jugendstilzeit, die nun wieder an den Ort ihrer Entstehung zurückgekehrt ist.

Wir danken unseren Förderpartnern für ihre großartige Unterstützung, ohne die der Ankauf nicht möglich gewesen wäre.

Einen Radiobeitrag von SWR2 finden Sie hier.


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