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Keramikmuseum Westerwald
Deutsche Sammlung für Historische und Zeitgenössische Keramik
Lindenstraße 13
D - 56203 Höhr-Grenzhausen
Tel.: 0049 - (0) 2624 94 60 10
Fax: 0049 - (0) 2624 94 60 120

MUSEUMSLEITUNG: MONIKA GASS

13 Lindenstraße
Höhr-Grenzhausen, RP, 56203
Germany

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Ausstellungen

Aktuell

Irina Razumovskaya: KORE

25. September 2026 – 10. Januar 2027

Amphorae I-V, 2026. Foto Kai Werner Schmidt

Aktuelle gesellschaftliche Debatten sind oft von Verlusterfahrungen geprägt. Gesellschaftlicher Wandel und das Fehlen einer zentralen Perspektive für die vielen Herausforderungen unserer Zeit verstärken den Wunsch nach einer vermeintlich verlorenen Welt, in der Rollen und Erwartungen eindeutiger formuliert schienen.

Im Gegensatz dazu verweist Irina Razumovskaya bereits mit dem Titel ihrer Ausstellung auf die Mehrdeutigkeit, die in ihren Werken eine zentrale Rolle spielt. Die griechische Göttin Kore verkörperte als Herrscherin des Totenreichs und als Jungfrau der Fruchtbarkeit eine doppelte Rolle. Für Razumovskaya ist sie Sinnbild der Ambivalenz, die Frauen oft zu erfüllen haben – eine Ambivalenz, die jedoch ohne Verlusterfahrungen nicht zu bewältigen ist.

Ihre Ausstellung KORE beginnt mit dem Schweigen, das auch tief in ihren persönlichen Erfahrungen mit Verlusten verwurzelt ist. Es erzählt von einem tot geborenen Kind, von einer verlorenen Heimat, von einer Sprache, die niemand mehr spricht. Razumovskaya legt dabei nicht nur ihre eigenen Wunden offen, sondern auch die ihrer verlassenen Heimat.

Disciplined II, 2025. Foto Kai Werner Schmidt

Die fehlenden Worte werden hier zum tragenden Element. Bruchstücke antiker Texte erinnern zum Beispiel an die Schriftstellerinnen und Schriftsteller der Sowjetunion in den 1930er-Jahren, denen die eigene Stimme verwehrt blieb. Übersetzungen aus antiken Werken waren für sie die einzige Möglichkeit, das Unaussprechliche auszudrücken. Sie versteckten ihre Kritik und Hilfeschreie zwischen den Zeilen und in jahrhundertealten Texten.

Die Künstlerin sucht nach einer eigenen Form, das Unausgesprochene zu bewahren und festzuhalten. Sie visualisiert es durch Lücken, die mindestens so viel aussagen wie das, was sichtbar ist. Zerbrochene Keramikformen machen Geschichten von Schmerz, Kontrolle und Trauer sichtbar – Geschichten, die eigentlich verschwiegen bleiben sollten. Razumovskaya materialisiert in ihrer Keramik das Ungehörte für immer.

Irina Razumovskaya (1990, Leningrad) lebt und arbeitet in London. Sie studierte an der St. Petersburger Stieglitz-Staatlichen Akademie für Kunst und Design und am Royal College of Art in London, wo sie heute unterrichtet. Sie ist Preisträgerin des 15. Westerwaldpreises 2024.

Einen Radiobeitrag zur Ausstellung können Sie hier (ab 1:04:45) nachhören:


Farbenfrohe Lebenslust. Die Industriekeramik der Nachkriegszeit

8.5.2026 – 4.4.2027

Das Kannenbäckerland ist weltweit für seine salzglasierte, grau-blaue Keramik bekannt. Doch die Region bietet bereits seit rund 150 Jahren keramisch weit mehr als nur traditionelles Steinzeug. Diese Ausstellung lenkt den Blick auf eine Epoche, die im Westerwald mehr Beachtung verdient: die seriell produzierte Keramik der Nachkriegszeit.

Der wirtschaftliche Aufschwung ab 1948 markierte einen tiefgreifenden Wandel. Einerseits entstand eine blühende Konsumgesellschaft, geprägt durch Optimismus, Wohlstandsstreben und dem Wunsch nach stabilen Verhältnissen. Die farbenfrohe Keramik mit ihrem stolzen „Made in West Germany“ verkörperte diese neue Lebenslust. Andererseits basierte dieser Boom nicht selten auf prekären Arbeitsbedingungen und umweltschädlichen Herstellungsprozessen. Die Ausstellung zeigt daher nicht nur die prägnante Ästhetik. Sie setzt sich auch mit den Ambivalenzen dieser erneuten Blütezeit der Westerwälder Keramikgeschichte auseinander.

Das Wirtschaftswunder der Keramikindustrie war aber kein rein deutsches, sondern ein westeuropäisches Phänomen. Dr. Denis Bousch und Dr. Jörn Garleff haben in einem Projekt die keramische Entwicklung in Frankreich und Deutschland nach 1950 vergleichend untersucht. Ihre Ergebnisse wurden bereits in den Musées d’Art et d’Industrie in Saint-Étienne präsentiert. Das Keramikmuseum widmet sich nun besonders dem Westerwald und den Menschen, die diese Ära geprägt haben.

Die Ausstellung und der umfangreiche, zweisprachige Begleitband rücken diese außergewöhnliche Epoche im Keramikmuseum zum ersten Mal in den Fokus.


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