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Keramikmuseum Westerwald
Deutsche Sammlung für Historische und Zeitgenössische Keramik
Lindenstraße 13
D - 56203 Höhr-Grenzhausen
Tel.: 0049 - (0) 2624 94 60 10
Fax: 0049 - (0) 2624 94 60 120

MUSEUMSLEITUNG: MONIKA GASS

13 Lindenstraße
Höhr-Grenzhausen, RP, 56203
Germany

0049 - (0) 2624 94 60 10

Ausstellungen

Sonderausstellungen

Norbert Prangenberg

Eröffnung: Freitag 26. Oktober 2018 – 17 Uhr verlängert bis 10. März 2019

In Norbert Prangenbergs (1949 -2012) unkonventionellem Werk zeigt sich, dass die Keramik eine Wechselwirkung zwischen Malerei, Zeichnung und Bildhauerei in sich tragen und die unterschiedlichen Gattungen in sich vereinen kann. Prangenberg ist eine Urgestalt der keramischen freien Kunst und hat durch sein medienübergreifendes Werk den Weg für die heutige Generation freigelegt.

Wegen des großen Interesses wird die Ausstellung bis zum 10. März 2019 verlängert!

© Estate Norbert Prangenberg - Rainer Schmidt-Jüssen

© Estate Norbert Prangenberg - Rainer Schmidt-Jüssen


Vorankündigung

FRITZ BAUMER

Sonderausstellung 16.3. – 10.6.2019

Eröffnung: Freitag - 15.3.2019 um 17 Uhr

Das Keramikmuseum Westerwald ehrt in einer Sonderausstellung das Lebenswerk des Mosaikkünstlers Fritz Baumer (1919-1989). Brennbruch und Scherben bekannter Keramiker wie Hubert Griemert, Richard Bampi oder die Brüder Hohlt setzte er zu neuen Bildern zusammen. Baumer löste die Glasur von ihrem Träger, dem Gefäß, und zeigte so das einzigartige Wirkungspotenzial der keramischen Farbe.

Fritz Baumers unbekannte Werke werden zum ersten Mal auf musealer Ebene gezeigt. Am 16.3.2019 wäre er 100 Jahre alt geworden.

Fritz Baumer - o. T. 1973 Foto: Fotostudio Baumann Höhr-Grenzhausen

Fritz Baumer - o. T. 1973 Foto: Fotostudio Baumann Höhr-Grenzhausen

Dauerausstellungen

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Historische Keramik

Entscheidend für die Entwicklung der Keramikherstellung hier in der Region und damit auch für die Geschichte des Keramikmuseums Westerwald in Höhr-Grenzhausen ist die Tatsache, daß hier vor Ort die reinsten, hochwertigsten und mengenmäßig größten Tonvorkommen Europas zu finden sind. Bereits in der Frühzeit keramischen Schaffens konnte sich so eine Kultur entwickeln, die trotz aller Einbrüche wirtschaftlicher und künstlerischer Art bis heute ungebrochen ist.
Seit der Zeit der Urnenfeldkultur, etwa ab 1000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, läßt sich keramisches Arbeiten im Raum Westerwald belegen. Fundstücke aus dem Mittelalter weisen bereits eine Art Proto - Steinzeug, also dicht gebrannte Ware nach. Es fanden sich engobierte wie salzglasierte Stücke mit Wellenfuß und Drehrillen.
Ab Mitte des 14. Jahrhunderts fertigte man hoch gebrannte Ware, deren Herstellung Innovationen im Bereich Brennofenbau vorausgingen, damit Temperaturen um 1250° C überhaupt erst zu erreichen waren. Ab etwa Mitte des 15. Jahrhunderts ist die Salzglasur belegt: bei hoher Temperatur in den Ofen geworfen verbindet sich der Natriumanteil des Koch-Salzes mit dem Quarz des Scherbens zur typisch grauen, glänzenden Westerwälder Salzglasur.
Um 1600 setzte dann die Zuwanderung bekannter Töpfer aus Siegburg, Raeren, Lothringen ein. Neue künstlerische und handwerkliche Impulse konnten sich im Westerwald etablieren.

 


VON DER ANGEWANDTEN ZUR FREIEN KUNST

Jugendstilkünstler setzten Maßstäbe für das Kunsthandwerk des 20. Jahrhunderts. Sie suchten nach der Verbindung aller Künste. Die auf dieser Museumsebene präsentierte künstlerische Keramik zeigt den Übergang von der Angewandten zur Freien Kunst im 20. Jahrhundert. Diese Entwicklung verläuft kontinuierlich und ohne große Stilbrüche, denn im Gegensatz zu den Freien Künsten wird das Kunsthandwerk von den Nationalsozialisten nicht als „entartet“ entwertet, sondern gerade wegen seiner vermeintlichen Volkstümlichkeit gefördert. In nationalen und internationalen Wettbewerben bekommen Keramiker wie August Hanke (1875-1938) oder Elfriede Balzar-Kopp (1904-1983) Anerkennung für ihr traditionelles handwerkliches Können. Während des Krieges können die Öfen, die nachts wegen ihres Flammenspiels ein Angriffsziel bilden, nicht betrieben werden. Die meisten Arbeiter sind an der Front und die keramische Produktion kommt zum Erliegen. Einige wenige Firmen führen noch kriegsbedingte Produktionen aus.

In der Nachkriegszeit sichern sich die Werkstätten ihre Existenz durch Geschirrproduktion und knüpfen wieder an Formen und Dekore der 1930er Jahre an. Als sich die wirtschaftliche Lage verbessert, suchen Keramiker zunehmend nach experimentellen und individuellen Ausdrucksformen. Das keramische Gefäß löst sich aus seiner traditionellen Funktion und entwickelt sich zum autonomen Kunstobjekt. Die Form wird nach bildhauerischen Maßstäben bewertet und die Glasur als malerisches Gestaltungsmittel gesehen. Das Interesse an ostasiatischen Steinzeugglasuren, das zuerst von den französischen ceramistes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekundet und im Jugendstil kultiviert wurde, bleibt groß. Außerdem hatte der Silikatchemiker Hermann Seger (1839-1893) mit seinen systematischen Forschungen wichtige technische Grundlagen für Glasurentwicklung gelegt. Die moderne Gefäßkeramik besitzt infolgedessen einen hohen Grad an technischer Perfektion. Oft stehen aufwendige Glasuren im Mittelpunkt, deren Rezepturen streng geheim gehalten werden.

Gleichzeitig entstehen – vor allem von der Drehscheibe aus – freie Formen. Gestaltungsstrategien aus den Bildenden Künsten oder der Musik, wie z.B. Montage, Wiederholung, Rhythmus oder Destruktion, werden nun auch in der Keramik eingesetzt. Walter Popp (1913-1977), der in Kassel Keramik lehrt, zerlegt in seinen Gefäßmontagen die Symmetrieachse des gedrehten Zylinders und kombiniert Grundformen wie Kegel, Zylinder oder Kugel zu neuen Formen. In Beate Kuhns (1927-2015) Plastiken reihen sich auf der Drehscheibe konzipierte Formen rhythmisch aneinander und werden von der Künstlerin zu neuen, dynamischen Organismen zusammengesetzt. Die Professorin für Keramik in Halle an der Saale, Gertraud Möhwald (1929-2002), lässt Scherben und andere Fundstücke zu monumentalen Büsten werden, die einen Bogen zur archaischen Keramik schlagen und so das kulturelle Vermächtnis des keramischen Materials betonen.

Vielfach wird die künstlerische Keramik von der Öffentlichkeit dem Kunsthandwerk zugerechnet. Keramiker, Keramiksammler und Galeristen bilden eine eigene Parallelwelt und Einzelausstellungen sind rar. Doch seit Ende des 20. Jahrhunderts ist eine wachsende Aufmerksamkeit spürbar. Die seitens der Bildenden Künste vollzogene Entgrenzung der Gattungen, wie auch eine Sehnsucht nach Sinnlichkeit und Materialität im digitalen Zeitalter, sind als Gründe für ein erneutes Interesse an der Keramik anzusehen.

 


Technische Keramik

Als Ausgangsstoffe dienen im Bereich Technischer Keramik nicht tonige Rohstoffe, sondern synthetisch hergestellte, hochreine Materialien, wie Titan-, Zirkon- oder Aluminiumoxid. Diese meist pulvrig verarbeiteten Stoffe können nur unter hohem Druck geformt und bei hohen Brenntemperaturen verfestigt werden. So wird eine sehr hohe Maßgenauigkeit erreicht, die durch Nachbearbeitung noch verbessert werden kann.
Im Museum sind medizinische Implantate wie Hüftgelenke, Anwendungsbeispiele aus der Automobiltechnik sowie keramische Schneidwerkzeuge zu sehen: Helfer, die unseren Alltag begleiten und oft auch sicherer machen.

 


Zeitgenössische Keramik

ZEITGENÖSSISCHE POSITIONEN IN HÖHR-GRENZHAUSEN

Das Material Ton, unser künstlerischer Mutterboden, ist ein fruchtbares Material, das stark in der Kulturgeschichte verankert ist und sich in vielen Richtungen einsetzen lässt. Es lässt sich kneten, drehen, verformen, aber auch stricken, schmelzen, schlagen und peitschen. Es ist ein ernstzunehmendes Gegenüber, das auf die Aktionen des Künstlers reagiert.

Die Künstler vor Ort, sei es an der Fachschule für Keramik, am Institut für Künstlerische Keramik und Glas oder in den vielen hiesigen Werkstätten, verbindet die Frage, welche Botschaften Keramik und Glas in sich tragen und wie diese Materialien künstlerische Aussagen unterstützen können.

Auch die Kulturgeschichte des Westerwälder Steinzeugs zwingt zu einer künstlerischen Auseinandersetzung. Was hat uns ein Ort zu sagen? Wie verhält sich unsere keramische Kultur zu anderen Kulturen? Viele Künstler gestalten mit jahrhundertalten Techniken wie dem Drehen auf der Scheibe oder dem Salzbrand neue, zeitgemäße Objekte. Die Tatsache, dass sie sich als Teil dieser Geschichte verstehen, zeigt, dass der Ort lebendig und für die Zukunft gut gerüstet ist. Diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.