Die Nachkriegsjahre wie die darauf folgenden Jahrzehnte stehen unter anfangs schwierigen Zeichen. Die Keramik der 50er Jahre zeigt sich nicht schlüssig, - etwa in Form eines direkten Anknüpfens an Jugendstil oder Bauhaus-tradition. Man orientiert sich nicht an der freien Mal-technik eines Paul Drossé. Nierentisch-Ära und die Suche nach einer adäquaten Farb- und Formsprache treiben bunte Blüten.
Doch setzt mit dem erneuten Aufnehmen des seit Anfang des 20.Jahrhunderts spürbaren asiatischen, japanischen Einflusses schon um 1960/70 eine puristische Tendenz ein. Die Arbeiten Walter Popps in Kassel setzten hier vor allem Maßstäbe und formulieren einen Kodex ästhetischer Anforderungen: künstlerische Aussage, klar strukturierte Formen, seine offensive Montagetechnik, klare Farben, einfach zusammengesetzte Glasuren aus Gesteinsmehlen, hochgebrannt und fast immer reduziert, - die keramische Kunst definierte sich neu.
Wendelin Stahl, Gisela Schmidt-Reuther, Görge Hohlt, später dann die Gruppe 83 und viele Andere, - die Deutsche Keramik hatte wieder ausgezeichnete Namen. In künstlerische Ausbildung und die Ausstattung entsprechender Institute wurde investiert, der Verkauf künstlerischer und handwerklicher Keramik, in Ausstellungen oder auf Messen boomte!
So waren Künstler und Kunsthandwerker bis zum Beginn der 90er Jahre gut im Markt etabliert. Lehre oder Studium in Keramik waren begehrte und gesellschaftlich angesehene Ausbildungsziele.


